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Welche echte Stadt ist das Vorbild für Vice City in GTA 6?

Miami und Florida als Vorbilder für GTA 6: Strandarchitektur, Inselstraße, die Everglades mit ihrem River of Grass und die Grenzen genauer Vergleiche mit Leonida.

Vice City in der Abenddämmerung auf einem offiziellen Bild zu GTA VI

Vice City in GTA 6 basiert auf dem heutigen Miami, der umliegende Bundesstaat Leonida ist von Florida inspiriert. Rockstar übernahm die Strandarchitektur, verschiedene städtische Gemeinschaften, Inseln und Feuchtgebiete als Anregungen. Im Spiel erhielten sie eigene Namen und eine eigene Geografie. Ein vertrauter Anblick verrät damit etwas über das Vorbild, aber noch keine genaue Adresse auf der Spielkarte.

Welche Stadt diente GTA 6 als Vorbild, und warum?

Der fiktive Bundesstaat Leonida erlaubt Rockstar, über die Metropole hinauszugehen und mehrere unterschiedliche Bilder des amerikanischen Südens zusammenzubringen.

Entwicklungsleiter Rob Nelson erklärte die Wahl des Schauplatzes in einem Interview mit Famitsu. Ihn reizte die Vielfalt der Menschen und Viertel im heutigen Florida und Miami. Nach Liberty City und Los Santos beschloss das Team zügig, in einer zeitgenössischen Epoche in diese Region zurückzukehren.

Das ist ein wichtiger Teil der Antwort. Palmen und Neonlichter sind aus dem älteren GTA: Vice City vertraut, doch die neue Welt orientiert sich an der Stadt von heute. Sie hat ihre eigenen Menschen, ihre Musik sowie eigene Arten, Geld zu verdienen und Wohlstand zu zeigen. Ein ausführlicheres Porträt der Spielmetropole steht in unserem Artikel über Vice City in GTA 6. Hier betrachten wir die Herkunft ihrer erkennbaren Merkmale.

Miami erkennt man an seinen Vierteln und Menschen

Das Strandbild beginnt mit Ocean Beach. In Rockstars offizieller Beschreibung stehen pastellfarbene Art-déco-Hotels neben weißem Sand. Eine naheliegende reale Parallele zu dieser Kombination sind South Beach und der Ocean Drive in Miami Beach.

Miami Beach liegt an der Küste neben Miami. South Beach ist sein südliches Viertel auf einer vorgelagerten Insel. Dämme und Brücken, darunter der Venetian Causeway und der MacArthur Causeway, verbinden es mit dem Festland. Das vertraute Bild von „Miami mit Strand“ vereint also bereits unterschiedliche Teile des größeren Stadtgebiets: einen Inselstreifen mit Hotels und Viertel auf dem Festland.

Am Ocean Drive stehen noch Gebäude aus den 1920er- und 1930er-Jahren mit Pastellfarben und geometrischen Fassaden. Daneben erstreckt sich der Lummus Park mit Palmen, Wegen, Volleyballfeldern und Sand. Diese Kombination macht die Küste auch ohne Ortsschild erkennbar. Auf einem offiziellen Bild von Vice City ist der Strand ebenfalls voller Menschen; dort steht ein Rettungsturm, dahinter sind Gebäude zu sehen. Das Bild selbst verrät keine Adresse eines bestimmten Hotels.

Ein anderes Gesicht Miamis ist mit der kubanischen Kultur verbunden. Rockstar erwähnt belebte Bäckereien in Little Cuba. In der wirklichen Stadt ist Little Havana für die Calle Ocho, kubanisches Essen, Musik, Zigarrenwerkstätten und einen Park bekannt, in dem Domino gespielt wird. Der Vergleich hilft, die kulturelle Grundlage des Spielviertels zu verstehen. Er bedeutet nicht, dass sämtliche genannten Aktivitäten aus der Wirklichkeit im Spiel verfügbar sein werden.

Ein Dazed-Bericht über die Entstehung von GTA VI beschreibt Besuche verschiedener Rockstar-Gruppen in Miami und Umgebung über die vergangenen zehn Jahre hinweg. In der Stadt arbeitet außerdem ein eigenes Rechercheteam. Die Mitarbeitenden trafen Menschen vor Ort, hörten sich ihre Geschichten an und verglichen ihre Beobachtungen mit Büchern und journalistischen Arbeiten.

Laut Jamie-Lee Lloyd, Senior Art Director of Characters, half diese Erfahrung dem Team, typische Einzelheiten verschiedener Gemeinschaften zu verstehen und sie anschließend für GTA und dessen Geschichten umzugestalten. Das reale Vorbild zeigt sich somit auch in den Menschen auf der Straße und nicht allein in der Silhouette eines Gebäudes.

Leonida Keys und die Straße über das Meer

Außerhalb der Stadt fällt vor allem die Inselwelt auf. Rockstar beschreibt die Leonida Keys als tropischen Archipel. Name und Aussehen lassen sich gut mit den Florida Keys vergleichen, der Inselkette südlich des Festlands von Florida. Das ist ein geografischer Vergleich: Rockstar nennt den realen Archipel in der offiziellen Beschreibung der Leonida Keys nicht.

Der Overseas Highway verbindet die Florida Keys. Nach Angaben der Tourismusorganisation von Monroe County ist die Strecke von Key Largo bis Key West 113 Meilen, etwa 182 Kilometer, lang und umfasst 42 Brücken. Die Straße führt von Insel zu Insel über offenes Wasser. Das Zusammenspiel von Meer, kleinen Landflächen und einer Autostraße unterscheidet den Archipel von einem gewöhnlichen Urlaubsort auf dem Festland.

Ein offizieller Screenshot der Leonida Keys zeigt eine ähnliche Idee: Eine Straße verbindet die Inseln, Autos fahren über eine hohe Brücke, daneben verläuft eine niedrigere Konstruktion. Wasser füllt fast das gesamte Bild aus, die Stadtsilhouette liegt in der Ferne. Das ist ein überzeugender visueller Anlass für den Vergleich mit den Florida Keys.

Die 182 Kilometer und 42 Brücken beschreiben allerdings die echte Straße. Diese Zahlen lassen sich nicht auf GTA 6 übertragen. Auch erlaubt das Bild nicht, der Spielbrücke den Namen eines bestimmten realen Bauwerks zu geben. Ihr wiedererkennbares Erscheinungsbild erklärt die Inselgeografie bereits ohne eine solche Zuordnung.

Brücken zwischen den Inseln der Leonida Keys und ein Wasserflugzeug auf einem offiziellen Bild zu GTA 6

Grassrivers und der echte River of Grass

Die Feuchtgebiete Leonidas erinnern an die Everglades, ein riesiges Feuchtgebiet in Südflorida. Rockstar beschreibt Grassrivers mit Alligatoren und Mangroven. Auf einem offiziellen Bild breitet sich flaches Wasser zwischen Pflanzen aus, in der Ferne ist ein Waldstreifen zu sehen. Die Ähnlichkeit ergibt sich aus der Landschaft selbst.

Die Everglades werden oft River of Grass, „Fluss aus Gras“, genannt. Der US National Park Service erklärt die Bezeichnung mit der langsamen Bewegung einer flachen Wasserschicht durch Bestände von Sawgrass. Ein Fluss muss hier nicht wie ein schmales Bett zwischen zwei Ufern aussehen: Das Wasser fließt als breite Schicht durch die sumpfige Ebene.

Es gibt auch eine kleine botanische Einzelheit: Sawgrass, wörtlich etwa „Sägegras“, gehört zur Familie der Sauergrasgewächse. Damit lässt sich die Gegend genauer vorstellen als mit dem allgemeinen Bild von „Wasser und Bäumen“. Es handelt sich um ein ganzes Ökosystem mit offenen Pflanzenbeständen und langsam fließendem Wasser.

Im englischen Namen Grassrivers stecken die Wörter „grass“ und „rivers“. Er erinnert deshalb an das Bild des River of Grass. Der Zusammenhang wirkt sinnvoll, doch eine Erklärung von Rockstar zur Herkunft des Namens ist nicht bekannt. In diesem Artikel ist es unser Vergleich zwischen dem echten River of Grass und dem Sumpf im Spiel, keine Aussage eines Entwicklers über die Etymologie.

Wasser und Pflanzen in den Grassrivers-Feuchtgebieten auf einem offiziellen Bild zu GTA 6

Kalaga, Port Gellhorn und Ambrosia: Grenzen des Florida-Vergleichs

Mount Kalaga zeigt gut, wo wörtliche Vergleiche an ihre Grenzen stoßen. Rockstar verortet den Nationalpark nahe der Nordgrenze Leonidas. Auf einem Screenshot führt eine Straße zwischen felsigen Hängen hindurch, eine Brücke spannt sich darüber, rundherum wächst Wald.

Rote Felsen und eine Straße im Mount-Kalaga-Nationalpark von GTA 6

Das echte Florida ist flach. Sein höchster natürlicher Punkt, Britton Hill, liegt 345 Fuß über dem Meeresspiegel, etwa 105 Meter. Das sind Angaben von VISIT FLORIDA über den realen Bundesstaat. Rockstar hat die Höhe von Mount Kalaga nicht angegeben, und aus der Bildperspektive lässt sie sich nicht verlässlich berechnen.

Der Name des Parks und das eindrucksvolle Gelände sollten deshalb nicht zu einer genauen Markierung auf einer US-Karte werden. Sie zeigen, wie frei Rockstar mit dem Bild Floridas umgehen kann. Um einen bestimmten realen Park als Vorbild zu benennen, wäre eine eigene Quelle nötig; ein einzelnes ähnlich aussehendes Foto reicht nicht.

Dieselbe Vorsicht ist bei Port Gellhorn und Ambrosia angebracht. In Rockstars offiziellen Beschreibungen erscheint Port Gellhorn als vergessene Touristenküste und Ambrosia als Industriestadt mit der Zuckerfabrik Allied Crystal. Reale Städte, mit denen diese Orte häufig verglichen werden, werden dort nicht genannt. Mehr über die Spielorte selbst steht in unserem Überblick über Leonidas Regionen.

Eine reale Karte hilft beim Wiedererkennen, aber nicht bei der Routenplanung

Der Vergleich mit Florida hat mehrere Ebenen. Erstens die allgemeine Inspiration durch Miami und das heutige Florida, die Nelson erläutert hat. Zweitens die erkennbare Art von Landschaft: Strandarchitektur, Inselstraße und Feuchtgebiete. Darüber lässt sich anhand offizieller Bilder und echter geografischer Angaben sprechen. Drittens die exakte Übereinstimmung eines Gebäudes, einer Straße und der benachbarten Häuserblocks. Dafür braucht es einen eigenen Abgleich.

Selbst eine ähnliche Fassade verrät nicht, wo man abbiegt, wie lange die Fahrt zu den Inseln dauert oder welches Haus Spieler betreten können. Ein Bild zeigt eine Szene, keinen vollständigen Wegeplan. Von Fans erstellte Rekonstruktionen fügen Annahmen über die Lage der Orte zueinander hinzu. Ihren Status und ihre Grundlagen behandeln wir im Artikel zur Karte von GTA 6.

Das echte Florida ist vor allem ein Schlüssel zum Konzept der Spielwelt: Die städtischen Gemeinschaften erklären, warum Vice City mehr als nur Strand ist; die Inselstraße zeigt eine andere Art von Küste; die Everglades bringen eine ganz andere Wasserlandschaft hinzu. In Leonida treffen diese Bilder in einer Geschichte zusammen. Wie genau die Orte im Spiel verbunden sind, müssen wir noch sehen.

Quellen

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